Erste medizinische Leitlinie für vaginale Geburten entstand mit Beteiligung von Eltern

Erstmalig können sich Schwangere nun in einer S3-Leitlinie über empfohlene Behandlungen bei der Geburtsbegleitung informieren. Die Leitlinie “Vaginale Geburt am Termin” entstand federführend durch die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Mother Hood war als Patient:innenvertretung gemeinsam mit 16 weiteren Organisationen beteiligt.

Was bedeutet die S3-Leitlinie bei Geburtsbegleitung?

Konkret bedeutet die Leitlinie, dass Frauen während der Geburt auf der Grundlage von wissenschaftlich begründeten Empfehlungen begleitet werden sollen. Frauen erhalten dank der Leitlinie verständliche Informationen, die sie mit ihrem Geburtsteam besprechen können. Sie können zustimmende oder ablehnende Entscheidungen zu medizinischen Eingriffen besser treffen.

Die Leitlinie unterstützt Frauen dabei, eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte selbstbestimmte Geburt zu erleben. Ihr Ziel ist eine frauzentrierte Betreuung.

Das Wohlbefinden der Frau bei der Geburt und der respektvolle Umgang mit ihr werden in der Leitlinie erstmals als zentrale Faktoren offiziell anerkannt.

Zu einer frauenzentrierten und sicheren Geburtsbegleitung gehört, die Bedürfnisse von Schwangeren, Gebärenden und Neugeborenen zu berücksichtigen.

Die Eins-zu-Eins-Begleitung der Geburt soll gewährleistet werden.

Die Gebärenden werden darin unterstützt, den Geburtsschmerz nach ihren Wünschen und anhand einer Bandbreite unterschiedlicher Maßnahmen zu bewältigen.

Mütter sollen ermutigt werden, so bald wie möglich nach der Geburt Haut-zu-Haut-Kontakt zu ihrem Neugeborenen zu haben.

Alle relevanten Gesundheitsberufe in der Geburtshilfe sollen zusammenarbeiten.

Die Leitlinie spricht sich gegen routinemäßige Episiotomien (Dammschnitte) aus. Sollte ein Dammschnitt doch nötig sein, wird eine bestimmt Schnittführung empfohlen.

Hiergegen und auch dass das Durchtrennen der Nabelschnur in einer vorgegebenen Zeit (5 Min.) erfolgen soll, widersprechen die ElternvertreterInnen (mother-hood e.V und Arbeitskreis Frauengesundheit – AKF.)

Leitlinien sind Empfehlungen und rechtlich nicht bindend.

Auch wenn nicht alle Themen zufrieden stellend geklärt wurden, ist es bahnbrechend, dass sie über 300 Seiten lang, in gekürzter Version 178 Seiten, erstellt wurde.

Die Leitlinie “Vaginale Geburt am Termin” entstand federführend durch die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Mother Hood war als Patient:innenvertretung gemeinsam mit 16 weiteren Organisationen beteiligt. (Quelle: www.mother-hood.de)

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