Nachruf für Ray

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…..Der Tod wäre überwunden, dachte Jensen, wenn es einem gelänge, sich nicht mit sich selbst zu identifizieren, sondern mit dem Ganzen….

Aus: Die Sehnsucht der Atome von Linus Reichlin

Am 13. Dezember 2020 ist Ray aus diesem Leben gegangen. Wir trauern darum, dass er nicht mehr hier unter uns weilt. Gleichzeitig sind wir voll Dankbarkeit und Liebe, dass wir ihm in unserem Leben begegnen durften. Sein Lebenswerk lebt mit uns weiter – mit uns und mit all den Menschen, denen wir begegnen.

 

Die Begegnung mit Ray Castellino hat unser Leben tief berührt und verändert. Durch seine Begleitung sind wir zu den Menschen geworden, die wir sein können, und haben einen Weg gefunden, unserem innersten Potential immer mehr zu vertrauen und es zu leben.

1996 – 1999 haben wir in der Schweiz die Ausbildung bei Ray gemacht. Und über die Jahre können wir sehen, wie seine Arbeit auch viele andere Menschen berührt und verändert hat. Er hat in jedem Menschen dessen Schönheit und Kompetenz gesehen. Und genau dahin wachsen die Menschen, die von Ray und seinem Lebenswerk berührt sind:  in ihre eigene Schönheit und Kompetenz.

Damit hat Ray eine Welle in Gang gesetzt – die „Stille Revolution der Liebe“, wie er es selbst nannte. Wer seine Arbeit integriert hat, geht mit Liebe im Leben weiter und berührt andere Menschen in deren Schönheit und Kompetenz. So breitet sich diese Welle aus und erfasst unzählige Menschen, die die Stille Revolution wiederum weitergeben.  Danke, Ray, dass du uns das mitgegeben hast. Dein Leben hat eine spürbare Wirkung hinterlassen. Diese Wirkung lebt in uns weiter.

 

Ray sprach bei seiner Herangehensweise an prä- und perinatale Muster vom „Somatic Blueprint“. Tief in jedem Menschen gibt es einen Platz, der gesund ist, ein Urmuster tiefen inneren Wissens in dem wir nur wir selbst sind. Über energetische und somatische Herangehensweisen ist es uns möglich, uns zu diesem Blueprint hin zu orientieren und unser Leben von dort aus zu gestalten.

Dieses Urmuster ist in jedem von uns angelegt und war schon da, bevor Prägungen durch unsere Geschichte dazu kamen. Entsprechend geht es in Rays Lebenswerk darum, dass wir tief in uns hineinsinken, unter die Prägungen, bis zu unserem gesunden Kern. Diesen finden wir im Inneren jedes Menschen.

Die Lebensgeschichte hat in Rays Lehre ihren Platz. Dazu gehören u.a. die Traumata aus der Familiengeschichte, der Zeugung, Schwangerschaft, Geburt und frühen Kindheit. Diese Geschichte möchte gesehen und anerkannt werden. Ray lehrte uns, mit der Geschichte zu sein, uns jedoch nicht mit ihr zu identifizieren. Wir orientieren uns zu unserer inneren Gesundheit. Von dort aus können wir unsere eigene Geschichte liebevoll anerkennen und damit sein, wenn sie sich zeigt. Wir lernen, dass wir eine Wahl haben. „To be with it, not to be it“ haben wir immer wieder von Ray gehört.   Wir lernen vom gesunden Platz her zu agieren, und nicht von der Traumaprägung her zu reagieren.

 

Neben der Orientierung zur Gesundheit ist es vor allem die unvergleichliche Art und Weise, wie Ray den Weg dahin bereitete, die uns so ganz besonders berührt hat:

Ray arbeitete nicht mit den Menschen, er begegnete ihnen feinfühlend, achtsam, behutsam, liebevoll, willkommen heißend und vor allem authentisch – wie ein ganz feines warmes Streicheln des Herzens.

 

Trotz seines unerschöpflichen Erfahrungsschatzes und Wissens, begegnete Ray immer wieder jedem Menschen vom „Platz des Nicht-Wissens“ aus. Dadurch ist für jeden Menschen der Raum da, sein eigenes inneres Wissen zu entdecken. Ray lehrte uns, den Prozess des Entdeckens von innen, aus dem Körperwissen heraus, zu vertrauen.  Diese Haltung unterstützt die Menschen, tief in sich hineinzusinken und den Weg der eigenen Wahrheit und Integration von innen heraus zu gehen. Hierbei wird einfach begleitet, gespiegelt, benannt – und zwar energetisch, somatisch und auch verbal.

Diese Begegnung findet in erster Linie im Gruppensetting statt: entweder in der Familie oder in einer Kleingruppe von Erwachsenen. In der Tradition Rays schafft der Begleiter / die Begleiterin einen sicheren Raum, in dem Coregulation in der Familie oder unter den Gruppenmitgliedern möglich wird. Der Begleiter / die Begleiterin tritt demütig in den Hintergrund und hält den sicheren Raum. Die Integration des Erlebten geschieht über Coregulation in der Familie / Gruppe. Dabei bilden Sicherheit, Verbindung und miteinander Da Sein in dem, was sich von innen heraus entfaltet, die nährende Grundlage.

Ray, wir sind dir zutiefst dankbar für das, was wir mit dir erfahren durften. Unser Leben ist tief geprägt von den Begegnungen mit dir. Dein Lebenswerk wird in uns weiterleben, die Welle der stillen Revolution der Liebe werden wir weitertragen. Du hast in uns und in vielen Menschheit deutliche Spuren hinterlassen. Die Verbindung mit dir geht über den Tod hinaus.

Deutschland / Schweiz Dezember 2020, Regina Bücher, Antonia Stulz-Koller, Klaus Käppeli

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