HILFETELEFON SCHWIERIGE GEBURT: 0228 9295 9970

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0228 9295 9970

Stellungnahme zum Gesetzesentwurf zur Strukturreform der Kinder- u. Jugendhilfe

Sehr geehr­te Frau Zweer,
vie­len Dank für die Zusen­dung des ers­ten Gesetz­ent­wur­fes zur Struk­tur­re­form der Kin­der- und Jugend­hil­fe.
Die ISPPM – Inter­na­tio­na­le Gesell­schaft für Prä- und Peri­na­ta­le Psy­cho­lo­gie und Medi­zin e.V. beschäf­tigt seit über 50 Jah­ren inten­siv mit den Prä­gun­gen und Fol­gen der Erfah­run­gen wäh­rend Schwan­ger­schaft, Geburt und Nach­ge­burts­zeit.
Auch wenn die­se Lebens­zeit eines Kin­des nicht in dem Gesetz­ent­wurf ent­hal­ten ist, möch­ten wir trotz­dem dar­auf hin­wei­sen, dass vie­le Auf­fäl­lig­kei­ten zum Teil auch Behin­de­run­gen wie z.B. Autis­mus ihre Wur­zeln, die Ursa­chen in ungüns­ti­gen Bedin­gun­gen in die­ser ers­ten Lebens­pha­sen ange­legt und ent­wi­ckelt wer­den.
Eine neue­re Stu­die des Nobel­preis­trä­gers James Heck­man belegt dies, was wir in der Pra­xis seit vie­len Jah­ren beob­ach­ten.
Vie­le Fol­ge­kos­ten, die in der Kin­der- und Jugend­hil­fe behan­delt und fest­ge­legt wer­den, könn­ten dras­tisch ver­rin­gert wer­den, wenn es eine umfas­sen­de nicht nur medi­zi­ni­sche, son­dern vor allem auch psycho-sozia­le Betreu­ung und Ver­sor­gung der schwan­ge­ren Frau­en mit ihren Fami­li­en geben wür­de. Es steht inzwi­schen wis­sen­schaft­lich außer Fra­ge, dass eine gesun­de embryo­na­le Ent­wick­lung von der emo­tio­na­len und psy­chi­schen Ver­fas­sung der Mut­ter und deren sozia­les Umfeld abhängt. Lei­der sind genau in die­sem Bereich in den letz­ten 20 Jah­ren immer wie­der star­ke Ein­schrän­kun­gen und Kür­zun­gen vor­ge­nom­men wor­den. In der Geburts­vor­be­rei­tung und zuletzt mit dem neu­en Heb­am­men­hil­fe­ver­trag (01.11.25) ist durch finan­zi­el­le Kür­zun­gen in der Schwan­ger­schafts­be­treu­ung und Nach­sor­ge der Heb­am­men eine flä­chen­de­cken­de Betreu­ung der Schwan­ge­ren vor allem in länd­li­chen Gebie­ten jetzt schon nicht mehr gege­ben.
Angst, Unsi­cher­heit und Sor­gen der Schwan­ge­ren erhö­hen das Stress­po­ten­ti­al des Unge­bo­re­nen und haben einen schwä­chen­den Ein­fluss auf die spä­te­re Resi­li­enz und Regu­la­ti­ons­fä­hig­keit bei Stress, Anstren­gung und erhöh­ten Anfor­de­run­gen im Leben der Men­schen. Die Bedeu­tung von Geburts­trau­ma rückt erfreu­li­cher­wei­se mehr ins öffent­li­che Inter­es­se und deren schwer­wie­gen­den Fol­gen der Bin­dungs­stö­rung für die Mut­ter-Kind-Bezie­hung.
Auch die frü­he Unter­brin­gung der ein­jäh­ri­gen Kin­der, meist noch jün­ger in Kitas beein­träch­tigt eine gesun­de Hirn­ent­wick­lung (sie­he Prof. Dr. Joa­chim Bau­er, Uni­ver­si­tät Frei­burg). Der Betreu­ungs­schlüs­sel in den Ein­rich­tun­gen ist völ­lig unzu­rei­chend bis ver­nach­läs­si­gend mit lang­fris­ti­gen Fol­gen der psycho-sozia­len Ent­wick­lung der Kin­der und wider­spricht den seit Jahr­zehn­ten bekann­ten evi­denz­ba­sier­ten vali­dier­ten Stu­di­en der Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gie.
Wir sind wenig in dem Feld der Kin­der- und Jugend­hil­fe bewan­dert, wür­den uns jedoch sehr freu­en, wenn die­se Erkennt­nis­se in die Über­le­gun­gen und Ver­hand­lun­gen mit ein­be­zo­gen wür­den.

Letzt­end­lich müss­te eine gesell­schaft­li­che Auf­klä­rung über die Bedeu­tung der Prä- und Peri­na­ta­len Lebens­pha­sen in den Schu­len statt­fin­den und in den Cur­ri­cu­la von Aus­bil­dun­gen und der Uni­ver­si­tä­ten aller in die­sem Bereich täti­gen Berufs­grup­pen ent­hal­ten sein.
Es wür­de die Jugend­hil­fe grund­le­gend ent­las­ten, wenn eine gute, umfas­sen­de und flä­chen­de­cken­de psycho-sozia­le Betreu­ung und Ver­sor­gung am Anfang des Lebens ein­ge­rich­tet wür­de!
Mit freund­li­chen Grü­ßen
Kola B. Brön­ner, Prä­si­den­tin ISPPM

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