HILFETELEFON SCHWIERIGE GEBURT: 0228 9295 9970

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Nachruf für Ray

…..Der Tod wäre über­wun­den, dach­te Jen­sen, wenn es einem gelän­ge, sich nicht mit sich selbst zu iden­ti­fi­zie­ren, son­dern mit dem Gan­zen….

Aus: Die Sehn­sucht der Ato­me von Linus Reich­lin

Am 13. Dezem­ber 2020 ist Ray aus die­sem Leben gegan­gen. Wir trau­ern dar­um, dass er nicht mehr hier unter uns weilt. Gleich­zei­tig sind wir voll Dank­bar­keit und Lie­be, dass wir ihm in unse­rem Leben begeg­nen durf­ten. Sein Lebens­werk lebt mit uns wei­ter – mit uns und mit all den Men­schen, denen wir begeg­nen.

Die Begeg­nung mit Ray Cas­tel­li­no hat unser Leben tief berührt und ver­än­dert. Durch sei­ne Beglei­tung sind wir zu den Men­schen gewor­den, die wir sein kön­nen, und haben einen Weg gefun­den, unse­rem inners­ten Poten­ti­al immer mehr zu ver­trau­en und es zu leben.

1996 – 1999 haben wir in der Schweiz die Aus­bil­dung bei Ray gemacht. Und über die Jah­re kön­nen wir sehen, wie sei­ne Arbeit auch vie­le ande­re Men­schen berührt und ver­än­dert hat. Er hat in jedem Men­schen des­sen Schön­heit und Kom­pe­tenz gese­hen. Und genau dahin wach­sen die Men­schen, die von Ray und sei­nem Lebens­werk berührt sind:  in ihre eige­ne Schön­heit und Kom­pe­tenz.

Damit hat Ray eine Wel­le in Gang gesetzt – die „Stil­le Revo­lu­ti­on der Lie­be“, wie er es selbst nann­te. Wer sei­ne Arbeit inte­griert hat, geht mit Lie­be im Leben wei­ter und berührt ande­re Men­schen in deren Schön­heit und Kom­pe­tenz. So brei­tet sich die­se Wel­le aus und erfasst unzäh­li­ge Men­schen, die die Stil­le Revo­lu­ti­on wie­der­um wei­ter­ge­ben.  Dan­ke, Ray, dass du uns das mit­ge­ge­ben hast. Dein Leben hat eine spür­ba­re Wir­kung hin­ter­las­sen. Die­se Wir­kung lebt in uns wei­ter.

Ray sprach bei sei­ner Her­an­ge­hens­wei­se an prä- und peri­na­ta­le Mus­ter vom „Soma­tic Blue­print“. Tief in jedem Men­schen gibt es einen Platz, der gesund ist, ein Urmus­ter tie­fen inne­ren Wis­sens in dem wir nur wir selbst sind. Über ener­ge­ti­sche und soma­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­sen ist es uns mög­lich, uns zu die­sem Blue­print hin zu ori­en­tie­ren und unser Leben von dort aus zu gestal­ten.

Die­ses Urmus­ter ist in jedem von uns ange­legt und war schon da, bevor Prä­gun­gen durch unse­re Geschich­te dazu kamen. Ent­spre­chend geht es in Rays Lebens­werk dar­um, dass wir tief in uns hin­ein­sin­ken, unter die Prä­gun­gen, bis zu unse­rem gesun­den Kern. Die­sen fin­den wir im Inne­ren jedes Men­schen.

Die Lebens­ge­schich­te hat in Rays Leh­re ihren Platz. Dazu gehö­ren u.a. die Trau­ma­ta aus der Fami­li­en­ge­schich­te, der Zeu­gung, Schwan­ger­schaft, Geburt und frü­hen Kind­heit. Die­se Geschich­te möch­te gese­hen und aner­kannt wer­den. Ray lehr­te uns, mit der Geschich­te zu sein, uns jedoch nicht mit ihr zu iden­ti­fi­zie­ren. Wir ori­en­tie­ren uns zu unse­rer inne­ren Gesund­heit. Von dort aus kön­nen wir unse­re eige­ne Geschich­te lie­be­voll aner­ken­nen und damit sein, wenn sie sich zeigt. Wir ler­nen, dass wir eine Wahl haben. „To be with it, not to be it” haben wir immer wie­der von Ray gehört.   Wir ler­nen vom gesun­den Platz her zu agie­ren, und nicht von der Trau­ma­prä­gung her zu reagie­ren.

Neben der Ori­en­tie­rung zur Gesund­heit ist es vor allem die unver­gleich­li­che Art und Wei­se, wie Ray den Weg dahin berei­te­te, die uns so ganz beson­ders berührt hat:

Ray arbei­te­te nicht mit den Men­schen, er begeg­ne­te ihnen fein­füh­lend, acht­sam, behut­sam, lie­be­voll, will­kom­men hei­ßend und vor allem authen­tisch — wie ein ganz fei­nes war­mes Strei­cheln des Her­zens.

Trotz sei­nes uner­schöpf­li­chen Erfah­rungs­schat­zes und Wis­sens, begeg­ne­te Ray immer wie­der jedem Men­schen vom „Platz des Nicht-Wis­sens“ aus. Dadurch ist für jeden Men­schen der Raum da, sein eige­nes inne­res Wis­sen zu ent­de­cken. Ray lehr­te uns, den Pro­zess des Ent­de­ckens von innen, aus dem Kör­per­wis­sen her­aus, zu ver­trau­en.  Die­se Hal­tung unter­stützt die Men­schen, tief in sich hin­ein­zu­sin­ken und den Weg der eige­nen Wahr­heit und Inte­gra­ti­on von innen her­aus zu gehen. Hier­bei wird ein­fach beglei­tet, gespie­gelt, benannt – und zwar ener­ge­tisch, soma­tisch und auch ver­bal.

Die­se Begeg­nung fin­det in ers­ter Linie im Grup­pen­set­ting statt: ent­we­der in der Fami­lie oder in einer Klein­grup­pe von Erwach­se­nen. In der Tra­di­ti­on Rays schafft der Beglei­ter / die Beglei­te­rin einen siche­ren Raum, in dem Core­gu­la­ti­on in der Fami­lie oder unter den Grup­pen­mit­glie­dern mög­lich wird. Der Beglei­ter / die Beglei­te­rin tritt demü­tig in den Hin­ter­grund und hält den siche­ren Raum. Die Inte­gra­ti­on des Erleb­ten geschieht über Core­gu­la­ti­on in der Fami­lie / Grup­pe. Dabei bil­den Sicher­heit, Ver­bin­dung und mit­ein­an­der Da Sein in dem, was sich von innen her­aus ent­fal­tet, die näh­ren­de Grund­la­ge.

Ray, wir sind dir zutiefst dank­bar für das, was wir mit dir erfah­ren durf­ten. Unser Leben ist tief geprägt von den Begeg­nun­gen mit dir. Dein Lebens­werk wird in uns wei­ter­le­ben, die Wel­le der stil­len Revo­lu­ti­on der Lie­be wer­den wir wei­ter­tra­gen. Du hast in uns und in vie­len Mensch­heit deut­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen. Die Ver­bin­dung mit dir geht über den Tod hin­aus.

Deutsch­land / Schweiz Dezem­ber 2020, Regi­na Bücher, Anto­nia Stulz-Kol­ler, Klaus Käp­pe­li

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