Online — Jahrestagung der GPPP
Thema: Kriege verstehen — und was man gegen sie tun kann
Steht der „Albtraum der Geschichte“ mit der ungeheuerlichen Gewalt in den
gesellschaftlichen Strukturen und der Aufeinanderfolge von Kriegen in einer
Wechselwirkung mit den ebenso ungeheuerlichen Gewaltaspekten in den Eltern-Kind-
Beziehungen im Verlaufe der Geschichte, also dem „Albtraum der Geschichte der
Kindheit“, wie er im Rahmen der Psychohistorie in den letzten Jahrzehnten erforscht
worden ist? Die Antwort der Psychohistorie, der Erforschung der psychologischen Aspekte
im geschichtlichen Geschehen, ist ein eindeutiges „Ja“, wie es in dem Buch „Das
emotionale Leben der Nationen“ von dem Begründer der modernen Psychohistorie Lloyd
deMause und ebenso in den Tagungsbänden der „Gesellschaft für Psychohistorie und
politische Psychologie“ in Deutschland zusammenfassend dargestellt wurde,
(www.psychohistorie.de, www.mattes.de).
Durch die Zusammenführung verschiedener Forschungsfelder, wie insbesondere der
Erforschung der lebensgeschichtlichen Entwicklung des menschlichen Gehirns und der
damit in Wechselwirkung stehenden seelischen Entwicklung, können wir heute diese
dunklen Schattenseiten des in seiner Art so erfolgreichen kulturschaffenden Primaten
Homo sapiens besser verstehen.
Galt in der Geschichte der Krieg sogar als kulturelle Institution, dann später als
schicksalhaft hinzunehmende Heimsuchung und in den letzten Jahren immer offener als
gesellschaftliches Verbrechen, so verbindet sich damit ein zunehmendes Verständnis,
dass Kriege von einzelnen Personen und gesellschaftlichen Gruppen in einer heute
verstehbaren Konfliktdynamik initiiert werden. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei, dass
durch die Geburt in einem Zustand der neurologischen Unreife und die damit verbundene
Abhängigkeit von den Sozialisationsbedingungen früheste beeinträchtigende
Traumatisierungen eine große Rolle spielen und die emotionale Persönlichkeitsreife von
Einzelnen und auch von ganzen gesellschaftlichen Gruppen zutiefst beeinträchtigen
können. Diese Traumatisierungen führen dann dazu, dass Konflikte sehr rasch nur durch
Gewalt lösbar erscheinen, was auf der gesellschaftlichen Ebene dann Krieg bedeutet.
Dieses neue und erweiterte Verständnis der Psycho- und Soziodynamik von Kriegen wird
auf der Tagung in einzelnen Schritten dargestellt und erläutert.
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- Sprache Deutsch