HILFETELEFON SCHWIERIGE GEBURT: 0228 9295 9970

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0228 9295 9970

Prä‑, Peri — und Postnatale Themenbereiche Bestandteile des Curriculums in der Systemischen Therapie Weiterbildung ?

Frie­der Pfrom­mer, Sys­te­mi­scher Kin­der- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peut, Rot­ten­burg, anläss­lich der Bar­camp-Arbeits­grup­pen beim Fach­tag der DGSF (Deut­sche Gesell­schaft für Sys­te­mi­sche The­ra­pie, Bera­tung und Fami­li­en­the­ra­pie e.V.) zu Fort- und Wei­ter­bil­dungs­fra­gen vom 17.–18. März 2024 in Ful­da mit dem The­ma: „Sys­te­mi­sche The­ra­pie: Wei­ter­bil­dun­gen fit für die Zukunft 2035 !?“

Aus der Per­spek­ti­ve der Prä­na­ta­len Psy­cho­the­ra­pie wird ange­nom­men, dass min­des­tens ab dem Zeit­punkt der Kon­zep­ti­on die Ver­kör­pe­rung mensch­li­chen Lebens statt­fin­det und die Erfah­run­gen — sowohl posi­ti­ve, als auch nega­ti­ve — im soge­nann­ten Zell­wis­sen (1) gespei­chert wer­den und sich epi­ge­ne­tisch aus­wir­ken kön­nen (2).

Für die psy­cho­so­ma­ti­sche Ent­wick­lung sind nicht nicht nur die Umstän­de und Hal­tun­gen zum Zeit­punkt der Zeu­gung von Bedeu­tung, son­dern auch die zum Zeit­punkt der Ein­nis­tung, der Ent­de­ckung der Schwan­ger­schaft, der Ent­schei­dung zur Prä­na­tal­dia­gnos­tik (NIPT — Blut­tests, Ultra­schall, Frucht­was­ser­un­ter­su­chun­gen) und der Ent­schei­dung für oder gegen eine Abtrei­bung.

Essen­ti­el­le Fra­gen, wie “Bin ich in die­ser Welt will­kom­men?”, “Bekom­me ich einen siche­ren Platz ? ” (im Ute­rus, in der Fami­lie und in erwei­ter­ten sozia­len Sys­te­men ?) und “Darf ich dazu­ge­hö­ren?”, “Wer­de ich (an)gesehen und gehört mit dem, was ich zu sagen habe?” kom­men vor allem bei den jewei­li­gen Über­gän­gen z.B. bei der Geburt und danach, Ein­tritt in Kita , Kin­der­gar­ten, Grund­schu­le, wei­ter­füh­ren­de Schu­le, Puber­tät, Berufs-aus­bil­dung usw. immer wie­der eine Rele­vanz für gelin­gen­de Pro­zes­se (3).

Die Erfah­run­gen aus der Anfangs­zeit kön­nen sich dem­nach bei spä­te­ren Über­gän­gen wie­der zei­gen und rekon­stru­iert wer­den. Sowohl auf der indi­vi­du­el­len Ebe­ne, als auch auf der Fami­li­en­ebe­ne sind die Fähig­kei­ten­zur Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on sowie Selbst- und Ko-Regu­la­ti­on gefragt.

So gese­hen sind die prä‑, peri- und post­na­ta­len The­men­be­rei­che auch bedeut­sam für sys­te­misch arbei­ten­de Men­schen. Bis­her bereits eta­blier­te Schnitt­stel­len sind die Dyna­mi­ken der Ent­wick­lung von der Dia­de zur Tria­de, also von der Paar- zur Eltern- und Fami­li­en­ebe­ne, eine der soge­nann­ten natür­li­chen Kri­sen im Lebens­zy­klus nach Vir­gi­nia Satir. Auch bei der Betrach­tung von trans­ge­ne­ra­tio­na­len Pro­zes­sen in der Fami­len­re­kon­struk­ti­on und in der Arbeit mit dem Geno­gramm spie­len die Gescheh­nis­se rund um die Zeu­gung, Schwan­ger­schaft und Geburt bereits eine bekann­te Rol­le.
Denn die Ent­ste­hung und Ent­wick­lung der Eizel­len (Ooge­ne­se) der ers­ten Gene­ra­ti­on geschieht wäh­rend der 5. und 12. Schwan­ger­schafts­wo­che der Groß­mutter müt­ter­li­cher­seits also der 3. Gene­ra­ti­on (4) und wer­den von deren Lebens­um­stän­den epi­ge­ne­tisch beein­flusst.

Im Spiel ver­ar­bei­ten Kin­der ihre meist unbe­wußt auf­tau­chen­den The­men wie beim Ver­ste­cken die Freu­de am ent­deckt wer­den, beim Höh­len­bau oder Auf­su­chen von Tun­neln etc. (5). In der the­ra­peu­ti­schen Pra­xis der Eltern‑, Kleinkind‑, Baby­the­ra­pie zei­gen sich oft im Spiel über eine “nach­er­leb­te Geburt” (6) nach­hal­ti­ge Ver­än­de­run­gen im Bin­dungs­ver­hal­ten von Eltern und Kind.

Wei­te­re Berei­che, mit denen sys­te­misch arbei­ten­de Men­schen zuneh­mend kon­fron­tiert wer­den, sind trau­ma­tisch erleb­te Gebur­ten und die Fol­gen von künst­li­cher Befruch­tung, Leih­mut­ter­schaft etc. für die Eltern und die Kin­der. Daher wäre es m.E. wich­tig, dass in den Wei­ter­bil­dungs­cur­ri­cu­la der Sys­te­mi­schen The­ra­pie und Bera­tung Umgang mit die­sen The­men in Theo­rie, Metho­dik und Pra­xis zukünf­tig ein Platz ein­ge­räumt wird. In die­sem Sin­ne möch­te ich ein Zitat von Vir­gi­nia Satir aus dem Jahr 1989 erwäh­nen (7):

Bevor ich die­se Welt ver­las­se, ist eines der Din­ge
von denen ich mir wün­sche, die gan­ze Welt wür­de sie wis­sen,
dass mensch­li­cher Kon­takt durch die Ver­bin­dung von Haut,
Augen und Klang der Stim­me ent­steht. Das sind die Din­ge,
die uns gelehrt wur­den, bevor wir Wor­te hat­ten. Die Art,
in der unse­re Eltern uns berühr­ten, wie sie uns anschau­ten,
wie ihre Stim­me klang, das alles ist in uns gespei­chert.

Lite­ra­tur-Aus­zug:

(5) Brön­ner Kola, Thur­mann Ilka-Maria, Den Anfang hei­len. Prä- und peri­na­ta­le (Spiel-)Therapie, (2021) Mabuse.Verlag

(2) Bol­ten, M., Nast, I., Skr­undz, M., Stad­ler, C., Hell­ham­mer, D. H., & Meinlschmidt, G. (2013). Pre­na­tal pro­gramming of emo­ti­on regu­la­ti­on: Neo­na­tal reac­ti­vi­ty as a dif­fe­ren­ti­al sus­cep­ti­bi­li­ty fac­tor mode­ra­ting the out­co­me of pre­na­tal cor­ti­sol levels. Jour­nal of Psy­cho­so­ma­tic Rese­arch, 75(4), 351–357.

Eick­horst, A., Röhr­bein, A.: Sys­te­mi­sche Metho­den in Fami­li­en­be­ra­tung und ‑the­ra­pie,
Göt­tin­gen: 2019, Vandenhoeck&Ruprecht Ver­lag

(2) Elbert, Mey­er et al.: “Trans­ge­ne­ra­tio­nal impact of inti­ma­te part­ner vio­lence on methy­la­ti­on in the pro­mo­ter of the glu­co­cor­ti­co­id recep­tor”

Ever­tz, K. / Janus, L. / Lin­der R. (Hg.) Lehr­buch der Prä­na­ta­len Psy­cho­lo­gie ( 2014) Hei­del­berg, Mat­tes Ver­lag

(2) Glover, V., O’Donnell, K. J., O’Connor, T. G., & Fisher, J. (2018). Pre­na­tal mate­r­nal stress, fetal pro­gramming, and mecha­nisms under­ly­ing later psy­cho­pa­tho­lo­gy – A glo­bal per­spec­ti­ve. Deve­lo­p­ment and Psy­cho­pa­tho­lo­gy, 30(3), 843–854.

(3) Groot Bra­mel, Regi­na: Über­gän­ge: Wie wir Kin­der dabei gut beglei­ten. (2017) Ibben­bü­ren, Klaus Müns­ter­mann Ver­lag

Janus, L (Hg.): Die prä­na­ta­le Dimen­si­on in der Psy­cho­the­ra­pie, (2013) Hei­del­berg, Mat­tes Ver­lag

(6) Käp­pe­li, Klaus, Die Schu­le, Geburts- und Lebens­raum des Kin­des, (2018) Hei­del­berg, Mat­tes Ver­lag

(2) Lip­ton, B.H.: Intel­li­gen­te Zel­len, wie Erfah­run­gen unse­re Gene steu­ern, (2006) Burg­rain, KOHA-Ver­lag

(3) Mil­ler, Karen: Hand­bü­cher für die früh­kind­li­che Bildung/ Bedeut­sa­me Über­gän­ge für Kin­der von 0–3 Jah­ren, (2013) Braun­schweig, Wes­ter­mann-Ver­lag

Sta­chow­s­ke, R.: Leben ist Begeg­nung: Sys­te­mi­sche The­ra­pie und Bera­tung, (2016) Krö­ning, Asan­ger Ver­lag

(4) https://flexikon.doccheck.com/de/Oogenese   03.04.2024 17:05

(7) https://www.landsiedel.com/at/nlp-bibliothek/virginia-satir.html     03.04.2024 18:53

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