Auf dem Weg zur mutterlosen Gesellschaft? – Was die Krippenbetreuung mit unseren Kindern macht

34. Jahrestagung Gesellschaft für Psychohistorie und politische Psychologie (GPPP)

 

„Hört ihr die Kinder weinen?“ – Unter diesem Buchtitel stellte der amerikanische
Psychohistoriker Lloyd deMause als Herausgeber die Forschungsergebnisse zahlreicher
Fachwissenschaftler zur Geschichte der Kindheit anfangs der 1970er Jahre der Öffentlichkeit
vor. Nicht nur für diese Historiker war es eine schwere Kost, von ihm das einleitende
Statement zu hören: „Die Geschichte der Kindheit ist ein Alptraum, aus dem wir gerade erst
erwachen.“ Ein Alptraum voll von Berichten, dass Kinder getötet, ausgesetzt, geschlagen,
gequält und sexuell missbraucht wurden!
Die Evolution der Eltern-Kind-Beziehungen ist eine unabhängige Quelle des historischen
Wandels, das sagt uns die psychogenetische Geschichtstheorie. Durch den „Engpass“ der
Kindheit werden psychische Strukturen von Generation zu Generation weitergegeben, und
damit sind die Praktiken der Kindererziehung mehr als ein beliebiges kulturelles Merkmal
einer Gesellschaft neben anderen.
Die Mitglieder der GPPP vertreten diese „neue“ Psychohistorie seit den 1970er Jahren. Wir
untersuchen vorrangig die unbewussten Hintergründe und Wurzeln von aktuellen und
historischen Entwicklungen, gesellschaftlichen Institutionen, kulturellen Normen und
politischen Entscheidungen.
In der Psychohistorie zielen unsere Bemühungen darauf, neue Chancen des
tiefenpsychologisch reflektierenden Mitwirkens an der gesellschaftlichen Meinungs- und
Willensbildung zu eröffnen – in der Hoffnung, der mächtigen Sogwirkung von Feindbildern,
Zerstörung und Gewalt vorzubeugen sowie den Werten der Solidarität und Kooperation mehr
Geltung zu verschaffen.
Diese wissenschaftliche Psychohistorie exploriert und interpretiert Erfahrungen mit kritischer
Reflektiertheit. Sie:
a) thematisiert die Geschichte der Kindheiten und berücksichtigt dabei die Erkenntnisse der
prä- und perinatalen Forschung als wesentlich mit,
b) nimmt eine transgenerationale Weitergabe psychischer Strukturen und Traumatisierungen
in der frühen Kindheit wie in späteren Lebensabschnitten in den Blick und arbeitet
individuelle und gruppenspezifische Verarbeitungsformen heraus,
c) sucht und untersucht die historischen Motivationen in Klein- und Großgruppen sowie ihre
unbewusst-irrationalen Dynamiken und beleuchtet das öffentliche Ausagieren dieser
Gruppen-Fantasien,
d) erkundet und reflektiert Anwendungs-Möglichkeiten psychoanalytischer, psychologischer
und besonders bindungstheoretischer Erkenntnisse im historischen und historiographischen
Prozess.
Hören wir die Kinder noch immer weinen?!
Heinrich Reiß, geschäftsführender Vorsitzender der GPPP

Datum

27. - 29.Mrz 2020
Expired!

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Veranstalter

Gesellschaft für Psychohistorie und politische Psychologie (GPPP)
Phone
06221 892729
E-Mail
Tagung@psychohistorie.de
Website
https://psychohistorie.de
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